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Premiere der neu restaurierten Version von METROPOLIS (1927/2010)

Berlin, Frankfurt: Am 12.02.2010 ist das wahr geworden, wovon Filmliebhaber nicht mal mehr zu träumen wagten:

Fritz Langs “METROPOLIS” wurde in (fast) vollständiger Länge gezeigt. Bei METROPOLIS (DE 1927/2010) in der restaurierten Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung fehlen nur 200 Meter Film bis zur Länge der Uraufführungsfassung. Anlässlich der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin und in der Alten Oper Frankfurt im Rahmen von “Phänomen Expressionismus” fand die Premiere der neu restaurierten Fassung statt. Das Phänomen METROPOLIS lebt! Beide Veranstaltungen waren vollkommen ausverkauft.  In Berlin gab es aber auch “Public Viewing”-Möglichkeiten. Außerdem strahlte Arte-TV die restaurierte Fassung am 12.02.2010 um 20:40 Uhr aus.
Nachdem 2008 in Argentinien eine METROPOLIS-Fassung auftauchte, die den Zuständigen dort doch sehr lang vorkam, konnten Experten in Deutschland bestätigen, dass es sich um zusätzliche 25 Minuten Handlung (zu der 2001er Restaurierung) handelte. Mitte 2008 wurde ein Expertenteam auserkoren, dass die Rekonstruktion der Premierenfassung von 1927 leiten sollte. Anke Wilkening von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden, Martin Koerber von der Deutschen Kinemathek in Berlin und Dirigent Frank Strobel machten sich umgehend an die Arbeit. Ein Leitfaden für die Szenenabfolge war dabei die Filmmusik von Gottfried Huppertz. Die Partitur der Premierenfassung existiert noch und dort sind alle Szenen genau dokumentiert. Frank Strobel untersuchte die Partitur und lieferte dem Restaurationsteam einen Plan für das Wiedereinfügen der neu gefundenen Szenen. Tragisch an der Sache ist nur, dass das Material in einem jämmerlichen Zustand war. In den 70er Jahren wurde eine argentinische 35 mm Nitro-Kopie auf 16 mm Film umkopiert und das 35 mm Material verschwandt. Dabei wurden viele Schäden wie Laufschrammen und Schmutz mitkopiert. Dadurch wurden Schäden und Schmutz Bestandteil des 16 mm Films.
Nachdem man weltweit nach einer Firma gesucht hatte, die die Restaurierung dieses Materials übernehmen sollte, entschloß man sich schließlich wieder für die ALPHA-OMEGA digital GmbH in München, die die 2001er Restaurierung erfolgreich durchgeführt hatte. Das Restaurierungskonzept von ALPHA-OMEGA-Produktionschef Thomas Bakels kam am besten bei der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung an. Klassisch-chemische Restaurierungsverfahren bringen bei dem 16 mm Material gar nichts, da die Schäden einkopiert sind und herkömmliche digitale Verfahren versagen ebenso, weil es keine Frames gibt die unbeschädigte Szenen enthalten, aus denen man Daten herauskopieren könnte. Sogar Herr Bakels selbst hielt das Material anfangs für nicht restaurierbar. Schließlich wurde für die Restaurierung aus dem Stegreif, innerhalb von 2,5 Monaten, eine neue Software entwickelt. Die Funktionsweise dieser Restaurierungs-Software ist grundsätzlich anders als bei allen auf dem Markt erhältlichen Restaurierungstools. Statt defekte
Bildbereiche mit sauberen Bereichen aus anderen Frames zu ersetzen, findet innerhalb der defekten Frames eine Farbkorrektur der Schäden statt. Und zwar so, dass das menschliche Auge die Schäden kaum noch als störend wahrnimmt. Nach dem Einscannen des Materials bei Arri wurde innerhalb von 2 Wochen die Bildstandskorrektur der Szenen durchgeführt. Danach begann die eigentliche digitale Restaurierung. Die “RettMagic” genannte Software, die auf 3 unabhängigen, sehr leistungsstarken 64-Bit-Windows-PCs (mit 8GB RAM und extrem schnellen Festplatten) ca. 2 Wochen lang gerechnet hat, wurde direkt mit DPX-Datein (Digital Picture Exchange) aus dem Arri-Filmscanner gefüttert. Anschließend wurde jeder Pixel jedes Frames über den Zeitverlauf auf Farbänderungen analysiert. Schnelle Farbänderung, bei Schnitten oder Lichteffekten, betreffen, über die Zeit gesehen, immer den gesamten Frame. Normale Bewegungen im Bild ändern sich meist in einer zeitlich geordneten Reihenfolge. Störungen hingegen sind Dirac-Imuls-artige Farbänderungen, die nur eine beschränkte Anzahl von Pixeln betreffen. Somit simuliert “RettMagic” das Sehverhalten des menschlichen Auges und korrigiert die Farbwerte der Störungen so, dass sie dem menschlichen Augen nicht mehr so stark als Störungen auffallen.
Nach der Premiere am Freitag, fand am Samstag eine Restaurierungsworkshop statt, bei dem auch ausführlich “vorher/nachher”-Sequenzen analysiert wurden. Vor Ort in Berlin stand dazu das Restaurierungsteam Frage und Antwort.
In den Räumen von ALPHA-OMEGA digital wurde während der Restaurierung sehr viel gedreht, daher ist es durchaus möglich, dass auf den geplanten DVDs und Blu-ray Discs eine Dokumentation über die Restaurierung zu finden ist. Zumindest über den Fund der neuen Szenen in Argentinien hat TransitFilm schon eine Dokumentation erstellt.
Mit der Veröffentlichung auf DVD/BD ist ab der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

Besten Dank an Herrn Thomas Bakels von Alpha-Omega für die Beantwortung der Fragen und die Pressestelle der Murnau-Stiftung für die Bereitstellung der Bilder.

Die folgenden Bildvergleiche zeigen leider nicht den vollständigen Effekt der Restaurierung – nur bei Bewegtbildern (siehe Aufzeichnung des Public-Viewings) wird klar, wie gut die Restaurierung funktioniert hat.

MOTIVE (Vorher/Nachher: aus der argentinischen Fassung vor der Restaurierung 2009 / aus der restaurierten Fassung der Murnau-Stiftung von 2010)

Alle Fotos (c) Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung/Museo del Cine Pablo C. Ducros Hicken

- Mädchen wird geschminkt
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- Der Schmale
pr_4_pr_vorhernachher_schmalezeitung_rohrestauriert

- In den Ewigen Gärten (Beschnitt-Vergleich der argentinischen Fassung mit 35 mm Nitro-Material aus Neuseeland)
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Fotos (c) Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung/Museo del Cine Pablo C.  Ducros Hicken

Post Metadata

Date
Februar 15th, 2010

Author
Thomas Konradt

Category

2 to “Premiere der neu restaurierten Version von METROPOLIS (1927/2010)”


  1. Hiernickel sagt:

    Ist die restaurierte Fassung auf einem Datenträger erhältlich?

    MfG
    Hiernickel

  2. Thomas Konradt sagt:

    Ich Deutschland erscheint die restaurierte Version wahrscheinlich im April 2011 auf Blu-ray Disc und DVD. In England und den USA ist sie von Eureka/Kino schon zu haben….siehe: http://www.hd-reporter.de/news/metropolis-f-lang-blu-ray-disc-die-am-22112010-erscheint-ist-bei-play-und-hmv-vorbestellbar/



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